Was die NNT aussagt
Die Number Needed to Treat (NNT) übersetzt Studienergebnisse in eine anschauliche Zahl: Wie viele Personen müssen über den Studienzeitraum behandelt werden, damit eine von ihnen ein unerwünschtes Ereignis wie Herzinfarkt, Rückfall oder Krankenhausaufnahme vermeidet? Das Maß wurde 1988 von Laupacis, Sackett und Roberts im New England Journal of Medicine vorgestellt und gehört heute zum Standard der evidenzbasierten Medizin.
Grundlage sind die Ereignisraten der beiden Gruppen. Die Differenz ist die absolute Risikoreduktion (ARR), ihr Kehrwert die NNT. Die relative Risikoreduktion (RRR) setzt die Differenz ins Verhältnis zum Ausgangsrisiko. Sie klingt oft eindrucksvoll: Eine Halbierung des Risikos ist eine RRR von 50 Prozent, egal ob das Risiko von 20 auf 10 Prozent oder von 0,2 auf 0,1 Prozent sinkt. Die NNT beträgt im ersten Fall 10, im zweiten 1.000.
Ist die Ereignisrate unter Behandlung höher, kehrt sich das Vorzeichen um, und der Rechner gibt die Number Needed to Harm (NNH) aus, also die Zahl der Behandelten, bei der rechnerisch eine Person zusätzlich geschädigt wird. Die NNT wird üblicherweise auf die nächste ganze Zahl aufgerundet.
NNT richtig einordnen
Eine NNT gilt immer nur für den Zeitraum, die Patientengruppe und den Endpunkt der jeweiligen Studie. Eine NNT von 50 über fünf Jahre ist etwas anderes als eine NNT von 50 über drei Monate. Vergleichen Sie deshalb nur Werte mit gleicher Dauer und gleichem Endpunkt. Bei Menschen mit höherem Ausgangsrisiko ist die NNT in der Regel kleiner, weil die gleiche relative Wirkung mehr absolute Ereignisse verhindert.
Das Konfidenzintervall zeigt die statistische Unsicherheit. Der Rechner nutzt das Wald-Intervall für die Differenz zweier Anteile und bildet die Grenzen der NNT als Kehrwerte, wie es Douglas Altman 1998 im British Medical Journal beschrieben hat. Schließt das Intervall der ARR die Null ein, ist der Effekt nicht gesichert; die NNT reicht dann von einem Nutzen über unendlich bis zu einem Schaden. Bei kleinen Gruppen oder sehr seltenen Ereignissen ist das Wald-Intervall ungenau.
Eine niedrige NNT allein macht eine Behandlung noch nicht empfehlenswert. Nebenwirkungen, Kosten, Belastung und Wünsche der betroffenen Person gehören in die Abwägung, ebenso die NNH für relevante Schäden. Dieser Rechner ist ein Werkzeug zum Verständnis von Studien; er ersetzt keine ärztliche Beratung, und Entscheidungen über Diagnostik oder Therapie sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.
Die Ereigniszahlen finden Sie in Studien meist in den Ergebnistabellen oder im Flussdiagramm. Werden nur Prozentwerte genannt, rechnen Sie mit der Gruppengröße zurück. Für andere Kennzahlen aus Vierfeldertafeln, etwa die Odds Ratio, eignet sich der Vierfeldertafel-Rechner.
Tipps und typische Fehler
Studien verstehen.
- Absolut: Zuerst ansehen.
- Zeitraum: Mitlesen.
- Intervall: Unsicherheit beachten.
- Arzt: Entscheidung besprechen.
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Häufige Fragen
Was bedeutet eine NNT von 10?
Zehn Personen müssen behandelt werden, damit im Studienzeitraum eine von ihnen ein Ereignis vermeidet.
Warum ist die relative Risikoreduktion oft irreführend?
Sie verschweigt das Ausgangsrisiko; erst die absolute Reduktion zeigt den tatsächlichen Nutzen.
Was ist die NNH?
Die Number Needed to Harm, also die Zahl der Behandelten pro zusätzlichem Schadensfall.
Was ist eine gute NNT?
Das hängt vom Endpunkt ab; bei schweren Ereignissen können auch hohe Werte sinnvoll sein.
Was ist der Unterschied zwischen ARR und RRR?
Die ARR ist die Differenz der Raten, die RRR diese Differenz bezogen auf das Ausgangsrisiko.
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