Wie ein Aktienrückkauf wirkt
Kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück und zieht sie ein, verteilt sich derselbe Gewinn auf weniger Anteile. Der Gewinn je Aktie steigt, obwohl das Geschäft nicht gewachsen ist. Für die verbleibenden Aktionäre erhöht sich ihr Anteil am Unternehmen, ohne dass sie selbst Geld nachschießen müssen. Darin liegt der Grund, warum Rückkäufe als Alternative zur Dividende gelten.
Ganz ohne Kosten ist der Effekt nicht. Das ausgegebene Geld hätte Zinsen gebracht oder muss, wenn der Rückkauf über Kredit läuft, verzinst werden. Der Rechner zieht diesen entgangenen Zins vom Gewinn ab. Je teurer die Aktie im Verhältnis zum Gewinn ist, desto weniger Aktien bekommt das Unternehmen für sein Geld und desto kleiner fällt der Zuwachs beim Gewinn je Aktie aus.
Die Rückkaufrendite setzt das Rückkaufvolumen ins Verhältnis zum Börsenwert. Zusammen mit der Dividendenrendite ergibt sie die sogenannte Aktionärsrendite, also den Teil des Unternehmenswerts, den die Firma im Jahr an ihre Eigentümer zurückgibt. Das Ergebnis ist eine statische Momentaufnahme und keine Anlageberatung.
Was Anleger beachten sollten
In Deutschland braucht eine Aktiengesellschaft für den Erwerb eigener Aktien eine Ermächtigung der Hauptversammlung nach § 71 Abs. 1 Nr. 8 Aktiengesetz. Der Bestand an eigenen Aktien darf zehn Prozent des Grundkapitals nicht übersteigen. Werden die Aktien nicht eingezogen, sondern gehalten, zählen sie bei Gewinn je Aktie und Stimmrechten trotzdem nicht mit.
Ob ein Rückkauf Wert schafft, hängt vom Preis ab. Kauft ein Unternehmen Aktien deutlich über ihrem inneren Wert, verlieren die verbleibenden Aktionäre, auch wenn der Gewinn je Aktie steigt. Prüfen Sie deshalb das KGV vor dem Rückkauf und vergleichen Sie die Gewinnrendite, also den Kehrwert des KGV, mit dem entgangenen Zins. Liegt die Gewinnrendite darüber, steigt der Gewinn je Aktie.
Viele Unternehmen geben gleichzeitig neue Aktien an Mitarbeiter und Vorstände aus. Ein Teil des Rückkaufs gleicht dann nur diese Verwässerung aus, und die Aktienzahl sinkt kaum. Ein Blick auf die Entwicklung der ausstehenden Aktien über mehrere Jahre zeigt, wie viel vom Programm tatsächlich bei den Aktionären ankommt.
Steuerlich unterscheiden sich Rückkauf und Dividende für Privatanleger: Die Dividende wird sofort mit Abgeltungsteuer belastet, der Rückkauf wirkt über einen höheren Kurs, der erst beim Verkauf versteuert wird. Den Gewinn je Aktie aus einem Jahresabschluss ermitteln Sie mit dem Gewinn-je-Aktie-Rechner, die Bewertung mit dem KGV-Rechner.
Tipps und typische Fehler
Rückkauf bewerten.
- Preis: KGV beachten.
- Aktienzahl: Mehrjährig prüfen.
- Verwässerung: Mitarbeiteraktien abziehen.
- Gesamtbild: Mit Dividende vergleichen.
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Häufige Fragen
Steigt der Aktienkurs durch einen Rückkauf automatisch?
Nein. Der Kurs hängt von Angebot und Nachfrage ab; rechnerisch bleibt der Wert je Aktie gleich, wenn der Rückkauf zum fairen Preis erfolgt.
Was ist der Unterschied zwischen Rückkauf und Dividende?
Die Dividende zahlt Geld direkt aus, der Rückkauf erhöht den Anteil der verbleibenden Aktionäre am Unternehmen.
Warum sinkt das KGV nach dem Rückkauf?
Weil der Gewinn je Aktie steigt, während der Kurs in der Rechnung gleich bleibt.
Wie erfahre ich von einem Rückkaufprogramm?
Unternehmen veröffentlichen Rückkäufe per Ad-hoc- oder Unternehmensmitteilung und berichten regelmäßig über den Fortschritt.
Was passiert mit zurückgekauften Aktien?
Sie werden eingezogen oder als eigene Aktien gehalten, etwa für Mitarbeiterprogramme.
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