Was zeigt die Windanzeige, was weht wirklich?
An Bord eines fahrenden Boots spürt man nicht den wahren Wind, sondern den scheinbaren. Er setzt sich zusammen aus dem tatsächlichen Wind und dem Fahrtwind, den das Boot durch seine eigene Bewegung erzeugt. Am Wind segelnd wirkt der Wind deshalb stärker und weiter von vorn, als er tatsächlich ist; vor dem Wind wirkt er schwächer.
Für Taktik, Reffentscheidungen und den Vergleich mit dem Wetterbericht zählt aber der wahre Wind. Der Rechner zieht dafür vektoriell die Bootsgeschwindigkeit vom scheinbaren Wind ab. Er liefert die wahre Windgeschwindigkeit, den wahren Windwinkel zum Bug und, mit dem Kurs, die wahre Windrichtung als Kompassrichtung.
Zeigt das Instrument 15 Knoten scheinbaren Wind unter 45 Grad an Steuerbord, während das Boot 6 Knoten läuft, beträgt der wahre Wind 11,6 Knoten aus 67 Grad zum Bug. Bei einem Kurs von 180 Grad kommt er aus 247 Grad. Das entspricht 4 Beaufort, also einer mäßigen Brise, während die Anzeige mit 15 Knoten bereits an der Grenze zu 5 Beaufort liegt.
Grenzen der Berechnung an Bord
Die Genauigkeit hängt von den Messwerten ab. Windgeber im Masttopp messen in einer Höhe, in der der Wind stärker ist als an Deck, und werden durch Krängung und Bewegung des Masts beeinflusst. Logge und Windfahne sollten kalibriert sein, denn schon wenige Grad Fehler beim Winkel verändern den wahren Wind am Wind deutlich.
Verwendet wird die Fahrt durchs Wasser. Damit erhalten Sie den Wind relativ zum Wasser, der für das Segeln entscheidend ist. Bei Strömung, etwa im Gezeitenrevier, weicht der Wind über Grund davon ab. Für den Vergleich mit Wetterberichten müssten Sie zusätzlich mit Kurs und Fahrt über Grund rechnen, also die Strömung herausnehmen.
Die Einordnung in Beaufort folgt der Skala der Weltorganisation für Meteorologie. Sie gilt für das Zehn-Minuten-Mittel in zehn Metern Höhe. Momentanwerte an Bord schwanken stärker; beobachten Sie deshalb den Verlauf über einige Minuten und achten Sie auf Böen, bevor Sie über das Reffen entscheiden.
Die theoretische Höchstgeschwindigkeit eines Verdrängerrumpfs zeigt der Rumpfgeschwindigkeit-Rechner, die gefühlte Temperatur im Wind der Windchill-Rechner. Vektoren allgemein lassen sich mit dem Vektorrechner zerlegen und addieren.
Tipps und typische Fehler
Wind richtig lesen.
- Logge: Kalibrieren.
- Strömung: Beachten.
- Mittel: Einige Minuten.
- Reffen: Nach wahrem Wind.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen wahrem und scheinbarem Wind?
Der scheinbare Wind ist der wahre Wind plus der Fahrtwind des Boots.
Warum ist der scheinbare Wind am Wind stärker?
Weil sich Fahrtwind und wahrer Wind teilweise addieren.
Welche Bootsgeschwindigkeit muss ich eingeben?
Die Fahrt durchs Wasser laut Logge, nicht die Fahrt über Grund.
Wie rechne ich Knoten in Beaufort um?
Über die Beaufort-Skala der WMO; 11 bis 16 Knoten entsprechen 4 Beaufort.
Ist der scheinbare Wind vor dem Wind kleiner?
Ja, dort zieht der Fahrtwind vom wahren Wind ab.
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