Zwei Arten, Lieferbereitschaft zu messen
Der Servicegrad, auch Lieferbereitschaftsgrad genannt, misst, wie zuverlässig ein Lager die Nachfrage bedient. In der Praxis gibt es zwei verbreitete Definitionen. Der α-Servicegrad ist ereignisorientiert: Er zählt, welcher Anteil der Aufträge oder Bedarfsfälle ohne jede Fehlmenge bedient wurde. Ob ein Stück oder hundert Stück fehlten, spielt dabei keine Rolle.
Der β-Servicegrad ist mengenorientiert: Er setzt die sofort gelieferte Menge ins Verhältnis zur nachgefragten Menge. Er reagiert also darauf, wie groß die Lücke ist. Fehlt bei einem großen Auftrag nur ein einzelnes Teil, sinkt der α-Wert spürbar, der β-Wert aber kaum. Deshalb liegt der β-Servicegrad meist höher.
Im Beispiel wurden 382 von 400 Aufträgen vollständig bedient. Das ergibt einen α-Servicegrad von 95,5 Prozent. Von 25.000 nachgefragten Stück konnten 24.400 sofort geliefert werden, der β-Servicegrad liegt damit bei 97,6 Prozent.
Den richtigen Zielwert finden
Ein hoher Servicegrad kostet Geld. Je näher das Ziel an 100 Prozent liegt, desto stärker wächst der nötige Sicherheitsbestand, weil auch seltene Nachfragespitzen abgedeckt werden müssen. Der Schritt von 95 auf 99 Prozent kann den Sicherheitsbestand mehr als verdoppeln. Sinnvoll ist deshalb ein abgestuftes Ziel je nach Bedeutung des Artikels.
Für A-Artikel mit hohem Wert und für Teile, deren Fehlen eine ganze Produktion stoppt, sind hohe Zielwerte üblich. Bei geringwertigen Verbrauchsartikeln mit kurzer Wiederbeschaffungszeit reicht oft ein niedrigeres Ziel. Kombinieren Sie den Servicegrad daher mit der ABC- und XYZ-Analyse.
Legen Sie vor der Messung fest, was als Fehlmenge gilt. Manche Unternehmen zählen nur Lieferungen, die nicht am selben Tag kommissioniert werden konnten, andere jeden Rückstand gegenüber dem Wunschtermin. Auch die Bezugsgröße muss klar sein: Aufträge, Auftragspositionen oder Bedarfsperioden ergeben unterschiedliche α-Werte.
Der Servicegrad beschreibt die Lagerseite. Ob die Ware auch pünktlich und vollständig beim Kunden ankam, zeigt die OTIF-Quote. Den Puffer, der für einen bestimmten Servicegrad nötig ist, berechnet der Sicherheitsbestand-Rechner, die Kapitalbindung im Lager der Lagerumschlag-Rechner.
Tipps und typische Fehler
Lieferfähig bleiben.
- Definition: Festlegen.
- Ziele: Je Artikelklasse.
- Bestand: Puffer anpassen.
- Monatlich: Messen.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen α- und β-Servicegrad?
α zählt Aufträge ohne Fehlmenge, β misst den Anteil der sofort gelieferten Menge.
Warum ist der β-Wert meist höher?
Weil kleine Fehlmengen in großen Aufträgen den Mengenanteil kaum senken.
Welcher Servicegrad ist gut?
Das hängt vom Artikel ab; wichtige Teile erhalten höhere Ziele als einfache Verbrauchsartikel.
Wie hängt der Servicegrad mit dem Sicherheitsbestand zusammen?
Je höher das Ziel, desto größer muss der Sicherheitsbestand sein.
Gibt es auch einen γ-Servicegrad?
Ja, er berücksichtigt zusätzlich die Dauer der Fehlmengen.
- Servicegrad berechnen
- Lieferbereitschaftsgrad berechnen
- Alpha Servicegrad
- Beta Servicegrad
- Lieferbereitschaft Lager
- Fehlmengenquote berechnen
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