Warum kündbare Anleihen zwei Renditen haben
Viele Unternehmensanleihen und Nachranganleihen geben dem Emittenten das Recht, sie vor dem Ende der Laufzeit zurückzuzahlen. Dieses Kündigungsrecht nutzt der Schuldner vor allem dann, wenn er sich inzwischen günstiger refinanzieren kann, also wenn die Zinsen gesunken sind oder sich seine Bonität verbessert hat. Für Anleger heißt das: Ob sie den Kupon bis zur Fälligkeit erhalten, ist nicht sicher.
Die Rendite bis zur Fälligkeit, englisch Yield to Maturity, unterstellt, dass die Anleihe bis zum letzten Tag läuft und dann zu 100 Prozent zurückgezahlt wird. Die Rendite bis zur Kündigung, Yield to Call, rechnet dagegen mit dem nächsten Kündigungstermin und dem dort vereinbarten Kündigungskurs. Notiert die Anleihe über pari, ist die Rendite bis zur Kündigung meist niedriger, weil der Kursaufschlag in kürzerer Zeit verloren geht.
Der Rechner löst für beide Fälle die Barwertgleichung: Gesucht ist der Zinssatz, mit dem die abgezinsten Kupons und der Rückzahlungsbetrag genau den heutigen Kurs ergeben. Da sich diese Gleichung nicht nach dem Zins auflösen lässt, wird er schrittweise eingegrenzt, bis das Ergebnis auf viele Nachkommastellen genau ist. Die kleinere der beiden Renditen erscheint als Yield to Worst.
Ergebnis richtig lesen
Für eine vorsichtige Einschätzung zählt die Yield to Worst. Sie zeigt die Rendite, mit der Sie rechnen müssen, wenn der Emittent sich so verhält, wie es für ihn am günstigsten ist. Gerade bei Anleihen deutlich über pari kann die Rendite bis zur Kündigung erheblich unter dem liegen, was die Rendite bis zur Fälligkeit verspricht.
Notiert die Anleihe unter dem Kündigungskurs, kehrt sich das Bild um: Eine frühe Kündigung brächte dann schneller einen Kursgewinn, die Rendite bis zur Kündigung läge höher. In diesem Fall ist eine Kündigung für den Schuldner aber meist unattraktiv, die Rendite bis zur Fälligkeit ist dann der realistischere Wert.
Hat die Anleihe mehrere Kündigungstermine, rechnen Sie jeden Termin mit seinem Kündigungskurs einzeln durch und vergleichen die Ergebnisse. Der Rechner geht von einer Bewertung an einem Kupontermin aus. Zwischen zwei Terminen fallen Stückzinsen an, die Sie zusätzlich zum Kurs bezahlen; Ordergebühren, Depotkosten und Steuern mindern die tatsächliche Rendite weiter.
Die Berechnung dient der Information und ist keine Anlageberatung. Prüfen Sie Kündigungsrechte, Rang und Bonität immer in den Anleihebedingungen und im Wertpapierprospekt, bevor Sie eine Entscheidung treffen.
Tipps und typische Fehler
Rendite vorsichtig ansetzen.
- Bedingungen: Kündigungstermine prüfen.
- Worst: Niedrigste Rendite ansetzen.
- Stückzinsen: Mitbezahlen.
- Kosten: Gebühren abziehen.
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Häufige Fragen
Was bedeutet Yield to Call?
Die Rendite einer kündbaren Anleihe unter der Annahme, dass sie zum nächsten Kündigungstermin zurückgezahlt wird.
Was ist Yield to Worst?
Die niedrigste der möglichen Renditen, hier die kleinere aus Rendite bis Kündigung und bis Fälligkeit.
Wann kündigt ein Emittent eine Anleihe?
Meist dann, wenn er sich zu niedrigeren Zinsen neu finanzieren kann als zum laufenden Kupon.
Was ist eine Call-Anleihe?
Eine Anleihe, die der Emittent vor der Fälligkeit zu festgelegten Terminen zurückzahlen darf.
Warum notieren kündbare Anleihen selten weit über pari?
Weil eine drohende Kündigung zum Kündigungskurs den Kursanstieg begrenzt.
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