Stand: Gesetzeslage 2026. Gesetzliche Werte ändern sich. Prüfen Sie im Zweifel die aktuellen Angaben der zuständigen Stelle.
Vom Audiogramm zum Prozentwert
Ein Tonaudiogramm zeigt für jede Frequenz, wie laut ein Ton sein muss, damit Sie ihn gerade noch hören. Für Gutachten, etwa bei einer Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit nach BK-Nr. 2301, wird daraus ein einziger Wert gebildet: der prozentuale Hörverlust je Ohr. Er ist die Grundlage für die Einschätzung der Minderung der Erwerbsfähigkeit.
Vorrangig wird der Prozentwert aus dem Sprachaudiogramm bestimmt. Liefert es keine verlässlichen Werte, etwa bei geringen Deutschkenntnissen, darf er hilfsweise aus dem Tonaudiogramm mit der Drei-Frequenz-Tabelle nach Röser (1980) ermittelt werden. Dieser Rechner verwendet die in der Königsteiner Empfehlung (Fassung 2020) abgedruckte, von Brusis modifizierte Tabelle.
Abgelesen wird mit zwei Größen: dem Hörverlust bei 1 kHz und der Summe der Hörverluste bei 2 kHz und 3 kHz. Ist der Verlust bei 4 kHz größer als bei 3 kHz, wird nach der aktuellen Fassung der Wert bei 4 kHz verwendet. Der Rechner berücksichtigt das automatisch.
Ergebnis richtig lesen
Die Königsteiner Empfehlung ordnet die Prozentwerte Schwerhörigkeitsgraden zu: unter 20 Prozent Normalhörigkeit oder beginnende Schwerhörigkeit, 20 bis 40 Prozent geringgradig, 40 bis 60 Prozent mittelgradig, 60 bis 80 Prozent hochgradig, 80 bis 95 Prozent an Taubheit grenzend und 100 Prozent Taubheit. Die Minderung der Erwerbsfähigkeit ergibt sich daraus erst über eine weitere Tabelle, die beide Ohren kombiniert und das bessere Ohr stärker gewichtet.
Die Tabelle wurde für die typische Lärmschwerhörigkeit entwickelt, bei der hohe Töne stärker betroffen sind als tiefe. Kombinationen mit großem Verlust bei 1 kHz und gutem Hochtongehör sind darin nicht vorgesehen. Der Rechner weist auf solche Fälle hin und zeigt dann den höchsten Wert der Zeile, der nur eingeschränkt aussagekräftig ist.
Bei einer Schallleitungskomponente, etwa durch eine Mittelohrerkrankung, dürfen für die Begutachtung nur die Knochenleitungswerte verwendet werden. Tragen Sie die Werte so ein, wie sie Ihr Audiogramm in Dezibel Hörverlust angibt; die Tabelle arbeitet mit 5-dB-Schritten.
Das Ergebnis ist ein Richtwert zum Verständnis eines Befundes, keine Begutachtung. Die Tabellen der Königsteiner Empfehlung werden von der DGUV gepflegt und können sich ändern; prüfen Sie den Stand. Bei Hörproblemen ist eine HNO-ärztliche Untersuchung der richtige Weg.
Tipps und typische Fehler
Audiogramm verstehen.
- Frequenzen: 1 bis 4 kHz ablesen.
- Knochenleitung: Bei Mittelohrschaden.
- Lärm: Gehörschutz tragen.
- Kontrolle: Regelmäßig testen.
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Häufige Fragen
Was ist die Röser-Tabelle?
Eine Tabelle, die aus den Hörschwellen bei 1, 2 und 3 bzw. 4 kHz den prozentualen Hörverlust eines Ohres abliest.
Wann wird das Tonaudiogramm statt des Sprachaudiogramms genutzt?
Wenn das Sprachaudiogramm keine verlässlichen Werte liefert, etwa wegen Sprachbarrieren.
Ergibt der Prozentwert direkt die MdE?
Nein, die MdE wird aus den Werten beider Ohren über eine eigene Tabelle eingeschätzt.
Was bedeutet dB HL im Audiogramm?
Dezibel Hearing Level, also die Hörschwelle bezogen auf normalhörende junge Erwachsene.
Wer stellt einen prozentualen Hörverlust offiziell fest?
HNO-ärztliche Gutachter, bei Berufskrankheiten im Auftrag der Unfallversicherung.
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