Was die Nachhallzeit über einen Raum verrät
Die Nachhallzeit gibt an, wie lange es dauert, bis ein Schallereignis nach dem Abschalten der Quelle um 60 dB abgeklungen ist, also auf ein Millionstel der Schallintensität. Räume mit langer Nachhallzeit klingen hallig, Sprache wird undeutlich und der Lärmpegel steigt, weil sich viele Reflexionen überlagern. Räume mit sehr kurzer Nachhallzeit wirken dagegen trocken und gedämpft.
Wallace Clement Sabine fand um 1900 heraus, dass die Nachhallzeit mit dem Raumvolumen wächst und mit der äquivalenten Absorptionsfläche sinkt. Diese Fläche ergibt sich aus allen Oberflächen, jeweils multipliziert mit ihrem Absorptionsgrad zwischen 0 und 1. Ein Absorptionsgrad von 1 entspricht einem offenen Fenster, das den Schall vollständig hinauslässt.
Der Rechner bildet aus Länge, Breite und Höhe das Volumen sowie die Flächen von Boden, Decke und Wänden. Möbel, Vorhänge, Bücherregale und Personen tragen Sie als zusätzliche Absorptionsfläche in Quadratmetern ein. Danach vergleicht er das Ergebnis mit Ihrer Zielzeit und nennt die fehlende Fläche.
T = 0,161 · V ÷ A; A = α_Boden · S_Boden + α_Decke · S_Decke + α_Wand · S_Wand + A_Zusatz
Zielwerte und praktische Maßnahmen
Welche Nachhallzeit angemessen ist, hängt von Nutzung und Raumgröße ab. Für Wohnräume gelten etwa 0,4 bis 0,6 Sekunden als angenehm, für Büros und Besprechungsräume ähnliche Werte. Klassenzimmer und Räume für Sprache sollen eher kurz nachhallen, Konzertsäle für Musik dürfen 1,5 bis 2 Sekunden erreichen. Verbindliche Anforderungen für Unterrichtsräume und Büros stehen in Normen wie DIN 18041; den aktuellen Stand dort prüfen.
Am wirksamsten ist zusätzliche Absorption an großen, schallharten Flächen. Eine abgehängte Akustikdecke oder Deckensegel verändern die Nachhallzeit oft mehr als alles andere. Teppiche, schwere Vorhänge, gefüllte Bücherregale und Polstermöbel helfen ebenfalls, wirken aber vor allem bei mittleren und hohen Frequenzen.
Die Absorptionsgrade sind frequenzabhängig. Dünne Platten und Stoffe schlucken tiefe Töne kaum, dafür braucht es dicke Absorber oder Plattenresonatoren. Der Rechner arbeitet mit einem Einzahlwert, der etwa dem Bereich der Sprachverständlichkeit entspricht. Herstellerangaben nennen häufig den bewerteten Absorptionsgrad αw, den Sie direkt einsetzen können.
Die Sabine-Formel ist für stark gedämpfte Räume mit mittlerem Absorptionsgrad über etwa 0,3 zu optimistisch; dort liefert die Formel nach Eyring etwas kürzere Werte. Für die Planung von Wohnräumen, Arbeitszimmern und Proberäumen reicht Sabine aber gut aus. Das Raumvolumen allein berechnet der Rechner für den umbauten Raum.
Tipps und typische Fehler
Raumklang verbessern.
- Decke: Größte Wirkung.
- Textilien: Helfen mit.
- Tiefe Töne: Dicke Absorber.
- αw: Aus dem Datenblatt.
Weitere Rechner: Mathe & Formeln
Häufige Fragen
Was ist eine gute Nachhallzeit für ein Wohnzimmer?
Etwa 0,4 bis 0,6 Sekunden; darüber wirkt der Raum hallig.
Wie berechnet man die Nachhallzeit?
Nach Sabine mit T = 0,161 · V ÷ A, also Volumen geteilt durch die äquivalente Absorptionsfläche.
Was ist der Absorptionsgrad?
Der Anteil des auftreffenden Schalls, den eine Fläche nicht zurückwirft, zwischen 0 und 1.
Was bedeutet RT60?
Die Zeit, in der der Schallpegel nach Abschalten der Quelle um 60 dB fällt, also die Nachhallzeit.
Wie misst man die Nachhallzeit?
Mit einem Knall oder Rauschsignal und einem Messmikrofon, heute auch per App.
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