Was der Kreditspread über das Ausfallrisiko verrät
Anleihen von Unternehmen oder Staaten mit schwächerer Bonität rentieren höher als sichere Bundesanleihen. Der Unterschied heißt Kreditspread oder Renditeaufschlag und wird meist in Basispunkten angegeben, wobei 100 Basispunkte einem Prozentpunkt entsprechen. Investoren verlangen diesen Aufschlag als Ausgleich dafür, dass der Schuldner ausfallen könnte.
Aus dem Spread lässt sich zurückrechnen, welche Ausfallwahrscheinlichkeit der Markt unterstellt. Die bekannte Näherung aus dem Lehrbuch von John C. Hull lautet: Die jährliche Ausfallintensität entspricht dem Spread geteilt durch den Verlustanteil im Ausfall, also eins minus Recovery-Rate. Wer bei einem Ausfall 40 Prozent zurückbekommt, verliert 60 Prozent; ein Spread von 3,5 Prozentpunkten deutet dann auf eine Ausfallintensität von etwa 5,8 Prozent pro Jahr hin.
Über mehrere Jahre summiert sich das Risiko nicht einfach, sondern wirkt wie ein exponentieller Zerfall: Die Wahrscheinlichkeit, bis zum Laufzeitende nicht auszufallen, ist e hoch minus Intensität mal Laufzeit. Daraus ergibt sich die kumulierte Ausfallwahrscheinlichkeit.
Grenzen der Methode
Die berechneten Werte sind sogenannte risikoneutrale Wahrscheinlichkeiten. Der Spread enthält neben dem reinen Ausfallrisiko auch eine Prämie für Liquidität, Unsicherheit und Risikoaversion der Anleger. Historische Ausfallquoten der Ratingagenturen liegen deshalb meist deutlich niedriger als die aus Spreads abgeleiteten Werte, besonders bei guten Bonitäten.
Die Recovery-Rate ist eine Annahme mit großem Einfluss. Nachrangige Anleihen haben oft Recovery-Raten von 20 Prozent oder weniger, besicherte Anleihen deutlich mehr. Ändern Sie den Wert, um eine Spanne plausibler Ergebnisse zu sehen. Bei einer Recovery-Rate nahe 100 Prozent wird die Rechnung unsicher, weil schon kleine Spreads auf hohe Ausfallraten schließen lassen.
Die Formel unterstellt eine konstante Ausfallintensität über die gesamte Laufzeit. In der Praxis unterscheidet sich der Spread je Laufzeit; für genauere Analysen nutzen Profis Credit Default Swaps und eine Spreadkurve. Verwenden Sie als Vergleichsrendite immer eine Anleihe derselben Währung und Laufzeit.
Der Rechner hilft, Renditeversprechen einzuordnen: Eine hohe Rendite ist fast immer der Preis für ein höheres Risiko. Er ersetzt keine Bonitätsanalyse und ist keine Anlageberatung.
Tipps und typische Fehler
Risiko einschätzen.
- Vergleich: Gleiche Laufzeit.
- Recovery: Spanne testen.
- Rang: Nachrang beachten.
- Rating: Gegenprüfen.
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Häufige Fragen
Was ist ein Basispunkt?
Ein Hundertstel Prozentpunkt; 350 Basispunkte entsprechen 3,5 Prozentpunkten.
Welche Recovery-Rate ist üblich?
Für vorrangige unbesicherte Unternehmensanleihen wird häufig mit 40 Prozent gerechnet.
Warum sind die Werte höher als Ratingstatistiken?
Weil der Spread auch Liquiditäts- und Risikoprämien enthält, nicht nur erwartete Ausfälle.
Was ist eine Hazard Rate?
Die Ausfallintensität, also die bedingte Ausfallrate pro Jahr.
Welche Vergleichsrendite sollte ich nehmen?
Eine sichere Anleihe derselben Währung und Laufzeit, etwa eine Bundesanleihe.
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