So funktioniert die Zwölftelregel
Zwischen Niedrig- und Hochwasser steigt das Wasser nicht gleichmäßig. Anfangs und am Ende ändert sich der Wasserstand langsam, in der Mitte der Tide am schnellsten. Die Zwölftelregel teilt die Zeit zwischen beiden Gezeiten in sechs gleich lange Gezeitenstunden und den Tidenhub in zwölf Teile. In der ersten Stunde ändert sich der Wasserstand um ein Zwölftel, dann um zwei, drei, drei, zwei und zuletzt wieder um ein Zwölftel.
Dauert die Tide nicht genau sechs Stunden, wird die Zeitspanne trotzdem in sechs Teile geteilt; eine Gezeitenstunde kann dann zum Beispiel 62 Minuten lang sein. Liegt die gefragte Uhrzeit innerhalb einer Gezeitenstunde, teilt der Rechner das Zwölftel dieser Stunde zeitanteilig auf. Zur Kontrolle wird zusätzlich das Kosinusverfahren gerechnet, das von einer sinusförmigen Tidekurve ausgeht und meist sehr ähnliche Werte liefert.
Die Höhen aus der Gezeitentafel beziehen sich auf Seekartennull, also auf dasselbe Bezugsniveau wie die Tiefenangaben der Seekarte. Addiert man Kartentiefe und Höhe der Gezeit, erhält man die tatsächliche Wassertiefe an dieser Stelle. Bei trockenfallenden Stellen ist die Kartentiefe negativ; dann zeigt das Ergebnis, wie hoch das Wasser über dem Watt steht.
Grenzen der Regel
Die Zwölftelregel ist eine Näherung für Reviere mit halbtägigen, annähernd symmetrischen Gezeiten, wie sie an der deutschen Nordseeküste vorherrschen. In Flussmündungen und flachen Watten verlaufen Flut und Ebbe oft unterschiedlich lang; die Flut kommt steiler und kürzer, die Ebbe dauert länger. In solchen Fällen weichen die Zwischenwerte merklich ab, auch wenn Anfang und Ende richtig getroffen werden.
Neben der astronomischen Gezeit verändert das Wetter den Wasserstand. Anhaltender Westwind kann an der Nordsee den Wasserstand um einige Dezimeter anheben, Ostwind ihn absenken. Auch der Luftdruck wirkt: Ein Hektopascal weniger hebt den Wasserspiegel um etwa einen Zentimeter. Planen Sie bei knappen Tiefen deshalb immer eine Sicherheitsreserve unter dem Kiel ein.
Verbindliche Zeiten und Höhen veröffentlicht für die deutschen Küsten das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in seinen Gezeitentafeln und Vorausberechnungen. Für viele Bezugsorte gibt es Gezeitenkurven, aus denen sich Zwischenwerte genauer ablesen lassen als mit der Zwölftelregel. Der Rechner eignet sich zur schnellen Schätzung an Bord und zur Ausbildung, ersetzt aber nicht die amtlichen Daten und die eigene Lotung.
Wer vor Anker liegt, braucht den Wasserstand gleich zweimal: für ausreichend Wasser unter dem Kiel bei Niedrigwasser und für genug gesteckte Kette bei Hochwasser. Die Kettenlänge aus Tiefe, Anstieg und Freibord rechnet der Ankerketten-Rechner. Wann Spring- und Nippzeiten anstehen, hängt mit den Mondphasen zusammen, die der Mondphasen-Rechner zeigt.
Tipps und typische Fehler
Tiefe abschätzen.
- Tafel: Amtliche Daten nutzen.
- Wind: Verändert den Pegel.
- Reserve: Unter dem Kiel.
- Mitte: Schnellste Änderung.
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Häufige Fragen
Was ist die Zwölftelregel?
Eine Faustregel, nach der das Wasser in sechs Gezeitenstunden um 1, 2, 3, 3, 2 und 1 Zwölftel des Tidenhubs steigt oder fällt.
Was ist Seekartennull?
Das Bezugsniveau der Seekarte; an der deutschen Nordseeküste das niedrigste astronomische Niedrigwasser (LAT).
Wie genau ist die Zwölftelregel?
In symmetrischen Gezeitenrevieren auf wenige Dezimeter, in Flussmündungen deutlich ungenauer.
Was ist der Tidenhub?
Der Höhenunterschied zwischen Niedrigwasser und folgendem Hochwasser.
Wie lange dauert eine Tide?
An der Nordsee rund 6 Stunden 12 Minuten von Niedrig- zu Hochwasser.
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