Der Kettenfaktor
Ein Anker hält am besten, wenn der Zug möglichst waagerecht am Ankerschaft ankommt. Dafür muss deutlich mehr Kette gesteckt werden, als das Wasser tief ist. Das Verhältnis von gesteckter Länge zur Höhe heißt Kettenfaktor oder englisch Scope. Die Höhe misst man nicht von der Wasseroberfläche, sondern von der Bugrolle bis zum Grund, und zwar beim höchsten Wasserstand, der während des Ankerns zu erwarten ist.
Für reine Kette gelten in der Seemannschaft als Faustregel das Dreifache bei ruhigem Wetter, das Fünffache bei mäßigem Wind und das Siebenfache bei Starkwind. Eine Ankerleine ist leichter und hängt weniger durch, deshalb braucht sie mehr Länge: etwa das Fünf-, Sieben- bzw. Zehnfache. Der Kettenvorlauf zwischen Anker und Leine sollte mindestens eine Bootslänge betragen, damit der Zug flach bleibt und die Leine nicht am Grund scheuert.
Der Rechner addiert Wassertiefe, erwarteten Anstieg und Freibord, multipliziert mit dem Faktor und rechnet außerdem den Schwojkreis. Der horizontale Abstand zum Anker ergibt sich bei gestreckter Kette nach dem Satz des Pythagoras, dazu kommt die Bootslänge. Im Doppelten dieses Radius darf kein Hindernis und kein anderes Boot liegen.
Praxis vor Anker
Die Faustwerte setzen guten Ankergrund wie Sand oder festen Schlick voraus. Auf Kraut, weichem Schlamm oder Steinen hält ein Anker schlechter, dann hilft mehr Länge nur begrenzt. Auch die Art des Ankers spielt eine Rolle: Moderne Pflugscharanker graben sich schneller ein als ältere Bauformen. Prüfen Sie den Halt nach dem Eingraben immer durch kurzes Rückwärtsfahren mit steigender Drehzahl.
In Gezeitenrevieren ist der Wasserstand beim Ankern selten der höchste. Wer bei Niedrigwasser ankert, muss den gesamten Anstieg bis zum nächsten Hochwasser einrechnen, sonst wird der Kettenfaktor bei steigendem Wasser zu klein. Den Wasserstand zu einer bestimmten Uhrzeit zwischen Niedrig- und Hochwasser schätzt der Gezeiten-Rechner nach der Zwölftelregel. Gleichzeitig muss bei Niedrigwasser genug Wasser unter dem Kiel bleiben.
Auf vollen Ankerplätzen lässt sich der ideale Faktor nicht immer einhalten. Dann ist es besser, einen anderen Platz zu suchen oder mit Ankerwache zu arbeiten, als mit zu kurzer Kette zu liegen. Boote mit Leine und Boote mit Kette schwojen unterschiedlich weit und schnell; halten Sie zu Nachbarn deshalb großzügig Abstand. Eine Kettenkralle mit elastischem Ruckdämpfer nimmt Spitzenlasten bei Böen und Schwell auf.
Markieren Sie Ihre Kette alle 5 oder 10 Meter mit Farbe oder Kunststoffmarken, damit Sie die gesteckte Länge kennen. Prüfen Sie außerdem, ob die mitgeführte Kettenlänge für die tiefsten Ankerplätze Ihres Reviers reicht. Für Wind und Wetter ist stets der aktuelle Seewetterbericht maßgeblich; der Rechner ersetzt keine seemännische Beurteilung vor Ort.
Tipps und typische Fehler
Sicher ankern.
- Höhe: Ab Bugrolle.
- Tide: Hochwasser einrechnen.
- Kette: Markieren.
- Abstand: Schwojkreis freihalten.
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Häufige Fragen
Wie viel Kette steckt man beim Ankern?
Faustregel: das 3- bis 5-fache der Höhe von Bugrolle bis Grund, bei Starkwind das 7-fache.
Warum braucht eine Ankerleine mehr Länge?
Die leichte Leine hängt kaum durch, der Zug kommt steiler am Anker an; deshalb rechnet man mit dem 5- bis 10-fachen.
Was ist der Schwojkreis?
Der Kreis, den das Boot um den Anker beschreibt, wenn Wind oder Strom drehen.
Wie prüfe ich, ob der Anker hält?
Nach dem Eingraben rückwärts Fahrt aufnehmen und an Peilmarken an Land kontrollieren, ob das Boot steht.
Was ist ein Ruckdämpfer?
Eine elastische Leine an der Kette, die Stöße bei Böen und Schwell abfängt.
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