Wie Wind auf eine Fläche wirkt
Strömende Luft trägt Bewegungsenergie. Trifft sie auf eine Fläche, wird sie abgebremst und erzeugt einen Druck. Dieser Staudruck wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit: Doppelt so starker Wind drückt viermal so fest. Deshalb richten Orkanböen weit mehr Schaden an, als der Unterschied in Kilometern pro Stunde vermuten lässt.
Die Kraft auf ein Bauteil ergibt sich aus Staudruck, Fläche und einem Kraftbeiwert, der die Form beschreibt. Eine ebene, freistehende Tafel erzeugt durch Überdruck vorn und Sog hinten einen Beiwert bis etwa 1,8, ein rundes Rohr deutlich weniger. Die Norm DIN EN 1991-1-4, Eurocode 1 Teil 4, nennt solche Beiwerte und rechnet mit einer Luftdichte von 1,25 Kilogramm je Kubikmeter.
Steht die Fläche auf einem Pfosten oder Fundament, erzeugt die Windkraft über den Hebelarm ein Kippmoment am Fuß. Es bestimmt, wie stark Pfosten, Anker und Fundament ausgelegt werden müssen. Der Hebelarm ist der Abstand zwischen Fuß und Mittelpunkt der angeströmten Fläche.
Grenzen der Rechnung und Praxis
Die Rechnung nutzt eine einzelne Windgeschwindigkeit. Für Bauwerke legt die Norm Basiswindgeschwindigkeiten nach Windzonen fest, in Deutschland von etwa 22,5 Meter pro Sekunde in Zone 1 bis 30 Meter pro Sekunde in Zone 4 an der Küste. Daraus folgen über Geländekategorie und Höhe Böengeschwindigkeitsdrücke, die im Binnenland bei niedrigen Bauten oft zwischen 0,5 und 1,0 Kilonewton je Quadratmeter liegen.
Für Gartenzäune mit Sichtschutz, Werbeschilder oder Markisen zeigt die Rechnung schnell, welche Größenordnung an Kräften auftritt. Ein vollflächig bespannter Zaun von zwei Metern Höhe kann im Sturm pro laufendem Meter mehrere Hundert Newton aufnehmen müssen. Pfosten, Betonfundament und Befestigung sollten mit Reserve ausgelegt sein.
Markisen und Sonnensegel sind meist nur bis zu einer bestimmten Windwiderstandsklasse nach DIN EN 13561 zugelassen und müssen bei stärkerem Wind eingefahren werden. Automatische Windwächter helfen dabei. Herstellerangaben und Normen haben Vorrang vor dieser Abschätzung; für tragende Konstruktionen ist ein statischer Nachweis durch eine fachkundige Person nötig.
Die Beaufortstufe wird aus der Formel v = 0,836 × B^1,5 zurückgerechnet und dient nur der Einordnung. Wie sich Windgeschwindigkeiten in Knoten, Meter pro Sekunde und Beaufort umrechnen lassen, zeigt der Beaufort-Umrechner. Die Leistung, die im Wind steckt, berechnet der Windkraft-Rechner.
Tipps und typische Fehler
Sicher bauen.
- Böen: Ansetzen.
- Fundament: Reserve.
- Statik: Bei Tragwerken.
- Markise: Einfahren.
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Häufige Fragen
Wie viel Kraft hat Wind auf einen Quadratmeter?
Bei 50 km/h etwa 120 N/m², bei 100 km/h rund 480 N/m² Staudruck, multipliziert mit dem Kraftbeiwert.
Welcher Kraftbeiwert gilt für einen Sichtschutzzaun?
Für geschlossene, freistehende Wände etwa 1,2 bis 1,8, abhängig von Länge und Anordnung.
Brauche ich für ein Werbeschild eine Statik?
Größere Anlagen sind oft genehmigungspflichtig und brauchen einen Standsicherheitsnachweis.
Was ist der Staudruck?
Der Druck, den strömende Luft beim Abbremsen auf eine Fläche ausübt.
Was sind Windzonen?
Regionen in Deutschland mit festgelegten Basiswindgeschwindigkeiten für die Bemessung nach Eurocode.
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Rechtlicher Hinweis: Die Mengen und Werte sind Richtwerte für die Planung und keine Statik-, Brandschutz-, Elektro- oder Energieberatung. Tragende Bauteile sowie Elektro-, Gas- und Heizungsarbeiten gehören in die Hand von Fachplanern und zugelassenen Fachbetrieben. Herstellerangaben und geltende Vorschriften gehen vor.
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