Warum Schimmel an kalten Wänden entsteht
Schimmel braucht vor allem Feuchtigkeit. Entscheidend ist dabei nicht die Luftfeuchte in der Raummitte, sondern die Feuchte direkt an der Oberfläche der Wand. Kühlt die Raumluft an einer kalten Außenwand ab, kann sie dort weniger Wasserdampf halten, und die relative Feuchte an der Oberfläche steigt deutlich an. Ein Raum mit angenehmen 60 Prozent kann an einer kalten Ecke schnell 85 Prozent oder mehr erreichen.
Der Rechner bestimmt zuerst den Dampfdruck der Raumluft mit der Magnus-Formel. Teilt man ihn durch den Sättigungsdampfdruck bei Wandtemperatur, ergibt sich die relative Feuchte an der Wandoberfläche. Liegt sie dauerhaft über etwa 80 Prozent, können Schimmelpilze wachsen, auch ohne dass sichtbares Wasser auftritt. Ab 100 Prozent ist die Wand kälter als der Taupunkt, und Tauwasser schlägt sich nieder.
Zusätzlich zeigt der Rechner, wie hoch die Raumfeuchte bei dieser Wandtemperatur höchstens sein sollte, damit die Wand unter 80 Prozent bleibt, und welche Wandtemperatur bei der aktuellen Raumluft nötig wäre. So sehen Sie, ob eher Lüften oder eher eine wärmere Wand das Problem löst.
Schimmel vorbeugen: Lüften, Heizen, Dämmen
Die wichtigste Maßnahme ist regelmäßiges Stoßlüften: mehrmals am Tag für fünf bis zehn Minuten die Fenster weit öffnen, im Winter eher kürzer. Kalte Außenluft enthält wenig Wasserdampf, und nach dem Aufheizen sinkt die relative Feuchte im Raum deutlich. Dauerhaft gekippte Fenster kühlen dagegen die Laibungen aus und erhöhen dort das Risiko. Wie oft gelüftet werden sollte, hängt von der Zahl der Bewohner und der Raumgröße ab.
Ebenso wichtig ist eine ausreichende Raumtemperatur. Werden Räume stark abgesenkt, kühlen auch die Wände aus. Schlafzimmer, die kaum beheizt werden, aber Feuchte aus angrenzenden warmen Räumen aufnehmen, sind besonders gefährdet. Halten Sie Türen zu kühleren Räumen geschlossen und stellen Sie große Möbel mit einigen Zentimetern Abstand vor Außenwände, damit warme Luft dahinter zirkulieren kann.
Für Neubauten und Sanierungen verlangt die Norm zum Mindestwärmeschutz, dass die Innenoberfläche bei 20 Grad Raumtemperatur und 50 Prozent Luftfeuchte mindestens etwa 12,6 Grad erreicht. Genau diesen Wert liefert der Rechner für diese Eingaben als nötige Wandtemperatur. Liegen Ihre gemessenen Werte deutlich darunter, deutet das auf eine Wärmebrücke oder eine schlecht gedämmte Wand hin.
Messen Sie die Wandtemperatur mit einem Infrarot- oder Kontaktthermometer an mehreren Stellen und zu verschiedenen Tageszeiten, am aussagekräftigsten an kalten Tagen. Den reinen Taupunkt ohne Risikobewertung berechnet der Taupunkt-Rechner, den nötigen Luftaustausch der Luftwechsel-Rechner. Bei bereits vorhandenem Schimmel auf größeren Flächen oder gesundheitlichen Beschwerden sollten Sie Fachleute hinzuziehen und gegebenenfalls ärztlichen Rat einholen.
Tipps und typische Fehler
Schimmel vermeiden.
- Stoßlüften: Mehrmals täglich.
- Abstand: Möbel vor Außenwänden.
- Heizen: Räume nicht auskühlen.
- Messen: Hygrometer nutzen.
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Häufige Fragen
Ab welcher Luftfeuchte entsteht Schimmel?
Kritisch sind etwa 80 Prozent relative Feuchte an der Wandoberfläche über mehrere Tage, nicht die Feuchte in der Raummitte.
Welche Raumfeuchte ist im Winter sinnvoll?
Meist 40 bis 60 Prozent; bei kalten Außenwänden eher am unteren Ende.
Wie messe ich die Wandtemperatur?
Mit einem Infrarot- oder Kontaktthermometer an der kältesten Stelle, etwa in Raumecken.
Hilft ein Luftentfeuchter gegen Schimmel?
Er senkt die Raumfeuchte, ersetzt aber weder Lüften noch eine warme Wand.
Ist Schimmel hinter dem Schrank typisch?
Ja, dort kühlt die Außenwand aus, weil kaum warme Luft hinkommt.
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