Was der Bradford-Faktor misst
Der Bradford-Faktor ist eine Kennzahl aus der Personalpraxis, die in den 1980er Jahren an der britischen University of Bradford entwickelt wurde. Er bewertet Fehlzeiten nicht nur nach ihrer Länge, sondern vor allem nach ihrer Häufigkeit. Dahinter steht die Beobachtung, dass viele kurze, unangekündigte Ausfälle einen Betrieb stärker stören als eine einzelne längere Krankheit.
Die Formel ist einfach: Die Zahl der Fälle wird quadriert und mit der Summe der Fehltage multipliziert. Wer einmal zehn Tage krank ist, kommt auf einen Faktor von zehn. Wer fünfmal je zwei Tage fehlt, also ebenfalls zehn Tage, erreicht 250. Gleiche Fehlzeit, aber ein 25-mal höherer Wert.
Der Rechner zeigt neben dem Faktor auch die durchschnittliche Dauer je Fall und wie stark ein einziger zusätzlicher Krankheitsfall den Wert erhöhen würde. So wird nachvollziehbar, warum die Kennzahl auf Häufigkeit so empfindlich reagiert.
Grenzen und rechtlicher Rahmen in Deutschland
Die verbreiteten Schwellen von 50, 125, 400 und 650 stammen aus britischen Unternehmen. Sie sind weder wissenschaftlich begründet noch in Deutschland rechtlich verankert. Ein hoher Wert sagt nichts über die Ursache aus: Chronische Erkrankungen, Pflege von Angehörigen oder belastende Arbeitsbedingungen können dahinterstehen.
Gesundheitsdaten sind nach der Datenschutz-Grundverordnung besonders geschützt. Wer Fehlzeiten systematisch auswertet, braucht eine Rechtsgrundlage und muss in Betrieben mit Betriebsrat dessen Mitbestimmung beachten. Eine automatische Sanktion allein aufgrund eines Schwellenwerts ist in Deutschland nicht zulässig.
Eine krankheitsbedingte Kündigung setzt eine negative Gesundheitsprognose, erhebliche betriebliche Beeinträchtigungen und eine Interessenabwägung voraus. Bei mehr als sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit innerhalb eines Jahres muss der Arbeitgeber zudem ein betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten. Der Bradford-Faktor ersetzt keine dieser Prüfungen.
Sinnvoll eingesetzt kann die Kennzahl helfen, Gesprächsbedarf früh zu erkennen und unterstützende Angebote zu machen. Für die Quote im ganzen Team eignet sich der Krankenstand-Rechner. Der Rechner ist keine Rechtsberatung; bei gesundheitlichen Beschwerden ist ärztlicher Rat der richtige Weg, nicht eine Kennzahl.
Tipps und typische Fehler
Fehlzeiten fair bewerten.
- Ursachen: Erst nachfragen.
- Datenschutz: Beachten.
- Betriebsrat: Einbinden.
- BEM: Ab sechs Wochen.
Weitere Rechner: Beruf & Arbeitszeit
Häufige Fragen
Wie berechnet man den Bradford-Faktor?
Zahl der Fälle zum Quadrat mal Zahl der Fehltage.
Ab welchem Bradford-Faktor wird es kritisch?
In der britischen Praxis gelten Werte ab 125 als erhöht, rechtlich hat das keine Bedeutung.
Darf der Arbeitgeber den Bradford-Faktor nutzen?
Nur im Rahmen von Datenschutz und Mitbestimmung, nicht als alleinige Grundlage für Sanktionen.
Woher stammt der Bradford-Faktor?
Aus Forschung an der britischen University of Bradford in den 1980er Jahren.
Welcher Zeitraum wird betrachtet?
Üblich ist ein rollierender Zeitraum von 52 Wochen.
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