Stand: Gesetzeslage 2026. Gesetzliche Werte ändern sich. Prüfen Sie im Zweifel die aktuellen Angaben der zuständigen Stelle.
Wie viel Schwefel braucht der Wein?
Schweflige Säure schützt Wein vor Oxidation und unerwünschten Mikroorganismen. Für Hobbywinzer und Obstweinmacher ist die Dosierung trotzdem eine Unsicherheit, denn sowohl zu wenig als auch zu viel schadet. Der Rechner geht vom gemessenen freien SO2 aus, also dem ungebundenen Teil, der tatsächlich schützt, und berechnet die Zugabe bis zum gewünschten Wert.
Grundlage ist eine einfache Bilanz: Die fehlenden Milligramm je Liter werden mit der Weinmenge multipliziert. Daraus folgt die Menge Kaliumpyrosulfit, die je nach wirksamem Anteil umgerechnet wird, oder die Milliliter einer fertigen SO2-Lösung. Den wirksamen Anteil des Pulvers können Sie anpassen, denn Herstellerangaben und Lagerdauer beeinflussen ihn.
Eine Besonderheit ist das molekulare SO2. Nur dieser kleine Teil des freien SO2 wirkt stark gegen Hefen und Bakterien, und er hängt vom pH-Wert ab. Ein Wein mit pH 3,2 braucht deutlich weniger freies SO2 als einer mit pH 3,6, um denselben Schutz zu erreichen. Der Rechner zeigt deshalb, welcher freie Wert bei Ihrem pH für den gewählten Richtwert nötig wäre.
Messen, dosieren, nachkontrollieren
Lösen Sie das abgewogene Pulver in etwas Wein oder Wasser vollständig auf und rühren Sie es gleichmäßig ein. Wenige Tage später sollten Sie erneut messen, denn ein Teil des zugegebenen SO2 wird an Zucker, Acetaldehyd und andere Stoffe gebunden. Der freie Wert liegt dann oft unter dem rechnerischen Ziel. Eine Nachdosierung in kleinen Schritten ist sicherer als eine große Einzelgabe.
Zum Messen eignen sich Titrationssets nach Ripper oder genauere Verfahren im Labor. Bei Rotwein ist die Farbumschlagsbestimmung schwierig, deshalb liefern Laborwerte hier verlässlichere Ergebnisse. Den pH-Wert messen Sie am besten mit einem kalibrierten pH-Meter, da Teststreifen für diesen engen Bereich zu grob sind. Kleine Messfehler beim pH-Wert verändern den molekularen Anteil merklich.
Schwefel ist für manche Menschen gesundheitlich relevant. Sulfite können bei empfindlichen Personen, vor allem bei Asthma, Beschwerden auslösen. Für Wein gelten rechtliche Höchstwerte für Gesamt-SO2 und eine Kennzeichnungspflicht ab einer bestimmten Menge. Die genauen Grenzwerte hängen von Weinart und Restzucker ab und können sich ändern; prüfen Sie den aktuellen Stand, bevor Sie Wein abgeben oder verkaufen.
Arbeiten Sie mit Pulver und Lösungen in einem gut belüfteten Raum, denn freigesetztes Schwefeldioxid reizt Augen und Atemwege. Lagern Sie Kaliumpyrosulfit trocken und dicht verschlossen, sonst verliert es an Wirkung. Der Rechner liefert Rechenwerte und ersetzt keine Analyse und keine fachliche Beratung durch eine Kellereiberatung oder ein Weinlabor. Den Zuckergehalt des Mostes bestimmen Sie mit dem Oechsle-Rechner.
Tipps und typische Fehler
Dosiert schwefeln.
- Messen: Vor jeder Gabe.
- pH: Mit Messgerät.
- Lösen: Gut einrühren.
- Nachmessen: Nach Tagen.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen freiem und gesamtem SO2?
Freies SO2 ist ungebunden und schützt den Wein. Gesamt-SO2 umfasst zusätzlich den gebundenen Teil, für den rechtliche Grenzen gelten.
Warum hängt die Schwefelmenge vom pH-Wert ab?
Je niedriger der pH-Wert, desto größer ist der molekulare, wirksame Anteil des freien SO2.
Wie viel SO2 liefert ein Gramm Kaliumpyrosulfit?
Rechnerisch etwa 0,57 g, praktisch wird meist mit rund 0,5 g gerechnet.
Wann wird Wein geschwefelt?
Üblich nach Gärende und Abstich sowie vor dem Abfüllen, jeweils nach Messung.
Kann ich Wein ganz ohne Schwefel machen?
Möglich, aber der Wein ist dann anfälliger für Oxidation und Fehltöne.
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