Schärfentiefe im Nahbereich
Bei Makroaufnahmen ist die Schärfentiefe oft nur Bruchteile eines Millimeters tief. Ein Insekt, eine Blüte oder eine Platine lässt sich deshalb kaum in einem einzigen Bild durchgehend scharf abbilden. Beim Focus Stacking fotografieren Sie eine Serie mit leicht verschobener Schärfeebene und setzen die scharfen Bereiche am Rechner zu einem Bild zusammen. Entscheidend ist, wie weit Sie die Schärfe von Bild zu Bild verschieben dürfen.
Im Nahbereich hängt die Schärfentiefe praktisch nicht mehr von der Brennweite ab, sondern nur von Blende, Zerstreuungskreis und Abbildungsmaßstab. Die gängige Näherung für symmetrische Objektive lautet: Schärfentiefe gleich zweimal Blende mal Zerstreuungskreis mal eins plus Maßstab, geteilt durch das Quadrat des Maßstabs. Sie steht so in der Fachliteratur zur Makrofotografie und in den Unterlagen der Objektivhersteller.
Die Schrittweite wählen Sie etwas kleiner als die Schärfentiefe, damit sich die scharfen Zonen benachbarter Bilder überlappen. Ohne Überlappung entstehen im fertigen Stack leicht weiche Streifen. Bewährt haben sich 20 bis 30 Prozent. Die Zahl der Aufnahmen ergibt sich aus Motivtiefe geteilt durch Schrittweite, aufgerundet, plus ein Bild, weil die erste Aufnahme an der Vorderkante und die letzte an der Hinterkante liegt.
Blende, Beugung und Praxis
Abblenden vergrößert die Schärfentiefe und spart Aufnahmen, kostet aber Detailschärfe durch Beugung. Im Nahbereich wirkt nicht die eingestellte Blende, sondern die effektive Blende, die bei Maßstab 1:1 doppelt so hoch ist. Aus Blende 8 wird so effektiv Blende 16. Der Rechner zeigt den Durchmesser des Beugungsscheibchens für grünes Licht von 550 nm und markiert ihn, wenn er größer ist als der gewählte Zerstreuungskreis.
Für hohe Maßstäbe ab etwa 2:1 arbeiten viele Fotografen deshalb mit offener Blende und nehmen mehr Bilder in Kauf. Bei Mikroskopobjektiven sind 50 bis mehrere hundert Bilder pro Stack üblich. Die Rechnung zeigt schnell, wann ein manueller Stack noch praktikabel ist und wann ein motorisierter Makroschlitten mit fester Schrittweite die bessere Wahl ist.
Den Zerstreuungskreis wählen Sie passend zum Sensor und zur geplanten Ausgabe. Für Kleinbild ist 0,03 mm der übliche Wert, für APS-C etwa 0,02 mm. Wer große Drucke oder starke Ausschnitte plant, setzt einen kleineren Wert ein, etwa die doppelte Pixelgröße. Ein kleinerer Zerstreuungskreis verringert die Schärfentiefe je Bild und erhöht die Zahl der Aufnahmen entsprechend.
Fokussieren Sie für die Serie möglichst über einen Schlitten, der die ganze Kamera bewegt, oder über die Stacking-Funktion moderner Kameras. Drehen am Fokusring verändert bei vielen Objektiven den Abbildungsmaßstab und damit die Bildgröße, was die Software zwar ausgleicht, aber die Ränder beschneidet. Den Abbildungsmaßstab Ihres Aufbaus ermitteln Sie mit dem Abbildungsmaßstab-Rechner, die normale Schärfentiefe mit dem Schärfentiefe-Rechner.
Tipps und typische Fehler
Stacks sauber aufnehmen.
- Stativ: Fest aufbauen.
- Licht: Konstant halten.
- Schlitten: Statt Fokusring.
- Blende: Beugung beachten.
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Häufige Fragen
Wie viele Bilder brauche ich für Focus Stacking?
Das hängt von Motivtiefe, Maßstab und Blende ab; bei 1:1 und Blende 8 sind es für 2 cm Tiefe rund 28 Bilder.
Welche Überlappung ist beim Stacking sinnvoll?
Meist reichen 20 bis 30 Prozent der Schärfentiefe je Aufnahme.
Warum nicht einfach stärker abblenden?
Ab einer gewissen effektiven Blende macht Beugung das Bild weicher, als die gewonnene Schärfentiefe nützt.
Welche Software setzt Focus Stacks zusammen?
Spezialisierte Stacking-Programme und viele Bildbearbeitungen bieten eine Funktion zum Kombinieren von Fokusreihen.
Funktioniert Focus Stacking auch bei Landschaften?
Ja, dort reichen oft drei bis fünf Aufnahmen vom Vordergrund bis Unendlich.
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