Warum die erste Tränke entscheidet
Kälber kommen ohne eigene Antikörper zur Welt, weil die Plazenta der Kuh Immunglobuline nicht durchlässt. Den ersten Schutz bekommt das Kalb ausschließlich über die Biestmilch, das Kolostrum. Der Darm kann die großen Eiweißmoleküle nur in den ersten Lebensstunden aufnehmen; schon nach sechs Stunden sinkt diese Fähigkeit deutlich, nach etwa 24 Stunden ist sie erloschen.
Üblich ist die Empfehlung, in den ersten zwei Stunden nach der Geburt etwa zehn Prozent des Körpergewichts zu tränken, bei einem 42 Kilogramm schweren Kalb also rund vier Liter. Mindestens ebenso wichtig ist die Qualität. Gute Biestmilch enthält mindestens 50 Gramm Immunglobulin G je Liter, Ziel sind 150 bis 200 Gramm IgG in der ersten Mahlzeit.
Der Rechner multipliziert die Tränkemenge mit dem IgG-Gehalt und vergleicht das Ergebnis mit Ihrer Zielmenge. Zusätzlich zeigt er, wie viele Liter bei der vorhandenen Qualität für das Ziel reichen würden, und schlägt als Richtwert eine zweite Tränke von etwa fünf Prozent des Körpergewichts nach sechs bis zwölf Stunden vor.
Qualität messen und richtig tränken
Den IgG-Gehalt messen Sie im Stall am einfachsten mit einem Brix-Refraktometer. Ein Wert ab 22 Prozent Brix gilt als Hinweis auf mindestens 50 Gramm IgG je Liter, darunter sollte die Biestmilch nicht als erste Mahlzeit dienen. Die Spindel, ein Kolostrometer, zeigt ebenfalls die Qualität, ist aber temperaturabhängig und daher ungenauer.
Biestmilch mit niedrigen Werten lässt sich mit eingefrorenem Kolostrum guter Qualität ergänzen. Legen Sie dafür einen Vorrat aus der ersten Melkung älterer, gesunder Kühe an, portionieren Sie ihn in Beutel zu ein bis zwei Litern und tauen Sie ihn im Wasserbad bei höchstens 50 Grad auf. In der Mikrowelle werden die Antikörper leicht zerstört.
Trinkt ein Kalb nicht selbst, kann die Biestmilch mit einem Drencher eingegeben werden. Das sollte geübt und hygienisch erfolgen, denn Biestmilch in der Luftröhre ist gefährlich. Melkzeug, Eimer und Nuckel müssen sauber sein, weil Keime im Kolostrum die Aufnahme der Antikörper behindern und das Kalb zusätzlich belasten.
Die Werte im Rechner sind Richtwerte aus der Beratung und ersetzen nicht den Rat Ihres Tierarztes. Schwache, untergewichtige oder nach schwerer Geburt erschöpfte Kälber brauchen oft besondere Betreuung. Ob die Versorgung gelungen ist, kann der Tierarzt einige Tage nach der Geburt über das Gesamteiweiß im Blut prüfen.
Tipps und typische Fehler
Kälber gut versorgen.
- Schnell: In zwei Stunden tränken.
- Messen: Brix prüfen.
- Vorrat: Einfrieren.
- Hygiene: Saubere Eimer.
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Häufige Fragen
Wie viel Biestmilch braucht ein Kalb?
In den ersten zwei Stunden etwa zehn Prozent des Geburtsgewichts, also rund vier Liter.
Woran erkenne ich gute Biestmilch?
Am IgG-Gehalt ab 50 g/l, im Brix-Refraktometer ab etwa 22 Prozent.
Wie lange kann das Kalb Antikörper aufnehmen?
Am besten in den ersten Stunden, nach etwa 24 Stunden praktisch nicht mehr.
Kann man Biestmilch einfrieren?
Ja, portioniert bei minus 20 Grad etwa ein Jahr.
Wie taut man Biestmilch auf?
Im Wasserbad bei höchstens 50 Grad, nicht in der Mikrowelle.
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