Das Verfahren in Kürze
Die Vigenère-Chiffre ist nach dem französischen Diplomaten Blaise de Vigenère benannt und wurde im 16. Jahrhundert beschrieben. Sie erweitert die Cäsar-Verschlüsselung: Statt alle Buchstaben um denselben Betrag zu verschieben, wechselt die Verschiebung mit jedem Buchstaben. Den Takt gibt ein Schlüsselwort vor, das immer wieder unter den Text geschrieben wird.
Jeder Schlüsselbuchstabe steht für eine Verschiebung: A für 0, B für 1 bis Z für 25. Mit dem Schlüssel LIMONE wird der erste Buchstabe um 11 Stellen verschoben, der zweite um 8, der dritte um 12 und so weiter. Ist das Schlüsselwort aufgebraucht, beginnt es von vorn. Beim Entschlüsseln läuft dieselbe Verschiebung rückwärts.
Der Rechner verschiebt nur die Buchstaben A bis Z und behält Groß- und Kleinschreibung bei. Leerzeichen, Ziffern und Satzzeichen bleiben unverändert und verbrauchen keinen Schlüsselbuchstaben. Umlaute schreibt er vorher als AE, OE und UE, das ß als SS, weil das klassische Verfahren nur 26 Buchstaben kennt.
Wie sicher ist die Vigenère-Chiffre?
Lange galt das Verfahren als unknackbar und trug den Beinamen „le chiffre indéchiffrable“. Im 19. Jahrhundert zeigten Charles Babbage und Friedrich Kasiski jedoch, wie man es bricht. Wiederholt sich eine Buchstabenfolge im Geheimtext in regelmäßigen Abständen, verrät der Abstand die Schlüssellänge. Danach zerfällt die Aufgabe in mehrere einfache Cäsar-Verschiebungen.
Jede dieser Teilverschiebungen lässt sich mit einer Häufigkeitsanalyse lösen, weil im Deutschen E, N und I besonders oft vorkommen. Je kürzer der Schlüssel und je länger der Text, desto leichter gelingt das. Ein Schlüssel, der so lang ist wie der Text, völlig zufällig gewählt und nur einmal benutzt wird, macht die Chiffre dagegen zum beweisbar sicheren One-Time-Pad.
Für Schule, Rätsel, Escape-Rooms und Schnitzeljagden ist die Vigenère-Chiffre ideal: Sie ist mit Papier und Bleistift durchführbar, aber deutlich schwerer zu erraten als eine einfache Verschiebung. Für echte Geheimnisse, Passwörter oder persönliche Daten ist sie ungeeignet; dafür gibt es moderne Verfahren wie AES in geprüfter Software.
Wer die Grundlagen lernen will, beginnt am besten mit der Cäsar-Verschlüsselung, die einem Vigenère-Schlüssel aus einem einzigen Buchstaben entspricht. Wie Text als Folge von Bits gespeichert wird, zeigt der Binär-Text-Umwandler. Für ein wirklich sicheres Passwort nutzen Sie den Passwort-Generator.
Tipps und typische Fehler
Sinnvoll einsetzen.
- Rätsel: Gut geeignet.
- Schlüssel: Lang wählen.
- Geheimnisse: Moderne Verfahren.
- Umlaute: Werden umgeschrieben.
Weitere Rechner: Alltag
Häufige Fragen
Was passiert mit Leerzeichen und Zahlen?
Sie bleiben unverändert und überspringen den Schlüssel, so bleibt die Wortstruktur erhalten.
Wie lang sollte der Schlüssel sein?
Je länger und zufälliger, desto schwerer der Angriff; kurze Wörter lassen sich leicht ermitteln.
Was ist der Unterschied zur Cäsar-Verschlüsselung?
Cäsar nutzt eine feste Verschiebung, Vigenère wechselt sie mit jedem Buchstaben des Schlüssels.
Was ist das Vigenère-Quadrat?
Eine Tabelle mit 26 verschobenen Alphabeten zum Verschlüsseln von Hand.
Kann man Vigenère ohne Schlüssel knacken?
Ja, mit Kasiski-Test und Häufigkeitsanalyse, besonders bei langen Texten.
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