Nullgradgrenze und Schneefallgrenze
In der unteren Atmosphäre nimmt die Temperatur mit der Höhe ab. Die internationale Standardatmosphäre nach ISO 2533 rechnet mit 0,65 Kelvin pro 100 Meter. Mit diesem Gradienten lässt sich aus der Temperatur an einer Wetterstation abschätzen, in welcher Höhe die Luft 0 °C erreicht. Diese Höhe heißt Nullgradgrenze und wird in Wetterberichten für die Alpen regelmäßig genannt.
Schnee fällt aber nicht nur oberhalb der Nullgradgrenze. Schneeflocken brauchen Zeit, um in wärmerer Luft zu schmelzen, und kühlen die Umgebung dabei zusätzlich ab. Deshalb liegt die Schneefallgrenze, also die Höhe, bis zu der Niederschlag überwiegend als Schnee ankommt, in der Regel etwa 200 bis 400 Meter unter der Nullgradgrenze. Der Deutsche Wetterdienst beschreibt diesen Zusammenhang in seinem Wetterlexikon.
Der Rechner verbindet beide Schritte. Aus Stationstemperatur, Stationshöhe und Gradient berechnet er die Nullgradgrenze, zieht den eingestellten Abstand ab und erhält die Schneefallgrenze. Für den Zielort berechnet er die zu erwartende Temperatur und ordnet ein, ob dort bei Niederschlag eher Regen, Schneeregen oder Schnee zu erwarten ist.
Wann die Schätzung abweicht
Der Temperaturgradient ist kein fester Wert. In trockener Luft kann die Temperatur um fast 1 Kelvin pro 100 m abnehmen, in feuchter Luft bei Niederschlag eher um 0,5 bis 0,6 Kelvin. Bei Inversionswetterlagen im Winter ist es in den Tälern sogar kälter als auf den Bergen. Dann liefert jede lineare Hochrechnung falsche Ergebnisse, und die Schneefallgrenze kann bis in die Täler sinken.
Auch der Abstand zwischen Nullgrad- und Schneefallgrenze schwankt. Bei schwachem Niederschlag und trockener Luft schmelzen die Flocken schnell, der Abstand ist klein. Bei kräftigem Niederschlag kühlt die schmelzende Schneemenge die Luft so stark ab, dass Schnee mehrere hundert Meter tiefer fallen kann als erwartet. Meteorologen sprechen dann vom Absinken der Schneefallgrenze durch Schmelzkühlung.
Verwenden Sie möglichst eine Station in der Nähe Ihres Ziels und eine aktuelle Messung. Daten liefern der Deutsche Wetterdienst, Meteo Schweiz, Geosphere Austria und viele private Wetternetze. Bei Föhn oder nach Kaltfronten ändern sich die Verhältnisse innerhalb weniger Stunden, und Stationen auf Hängen messen andere Werte als solche im Talboden.
Für Bergtouren, Skitouren und Passfahrten ersetzt der Rechner nicht den amtlichen Wetter- und Lawinenlagebericht. Er hilft aber, Angaben wie eine Nullgradgrenze von 2.000 Metern einzuordnen und abzuschätzen, ob am Ziel Schnee liegen könnte. Prüfen Sie vor der Fahrt mit dem Auto in höhere Lagen zusätzlich die Wintertauglichkeit der Bereifung.
Tipps und typische Fehler
Höhenwetter einschätzen.
- Station: In Zielnähe.
- Inversion: Talkälte beachten.
- Niederschlag: Senkt Grenze.
- Bergtour: Wetterbericht lesen.
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Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Nullgradgrenze und Schneefallgrenze?
Die Nullgradgrenze ist die Höhe, in der die Luft 0 °C hat. Die Schneefallgrenze liegt meist 200 bis 400 m tiefer, weil Schneeflocken eine Strecke brauchen, um in wärmerer Luft zu schmelzen.
Um wie viel Grad wird es pro 100 Höhenmeter kälter?
Im Mittel um 0,65 °C nach der Standardatmosphäre. In trockener Luft bis knapp 1 °C, in feuchter Luft etwa 0,5 bis 0,6 °C.
Kann es bei Plusgraden schneien?
Ja. Bei trockener Luft und kräftigem Niederschlag kann Schnee auch bei 2 bis 4 °C in Bodennähe noch als Schnee ankommen.
Wo finde ich die aktuelle Nullgradgrenze?
In den Bergwetterberichten von DWD, Meteo Schweiz oder Geosphere Austria.
Bleibt Schnee unterhalb der Schneefallgrenze liegen?
Kaum, dort fällt überwiegend Regen oder Schneeregen; liegen bleibt Schnee meist erst deutlich darüber.
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