Warum freie Sicht allein nicht reicht
Eine Funkverbindung braucht mehr als eine freie Linie zwischen den Antennen. Die Energie breitet sich in einem räumlichen Bereich um die Sichtlinie aus, der die Form eines langgestreckten Ellipsoids hat. Die erste Fresnelzone ist der innere Teil dieses Bereichs. Ragen Bäume, Dächer oder Geländekuppen hinein, schwächen Beugung und Reflexion das Signal, auch wenn man die Gegenstation mit dem Fernglas sehen kann.
Der Radius der ersten Fresnelzone hängt von der Wellenlänge und den Abständen zu beiden Enden ab. Er ist in der Streckenmitte am größten und schrumpft zu den Antennen hin auf null. Niedrige Frequenzen und lange Strecken erzeugen große Zonen: Bei 868 MHz über 10 km misst der Radius in der Mitte fast 30 Meter.
Als Faustregel der Richtfunkplanung, wie sie auch in ITU-R P.530 zugrunde gelegt wird, sollen mindestens 60 Prozent der ersten Fresnelzone frei sein. Der Rechner bestimmt diesen Anteil und addiert die Erdwölbung an der Stelle des Hindernisses. Zusammen ergibt das die Höhe, um die die Sichtlinie über dem Hindernis liegen sollte.
Masthöhe planen
Um die nötige Masthöhe zu bestimmen, ermitteln Sie zunächst das höchste Hindernis zwischen den Stationen und seinen Abstand. Die Sichtlinie muss an dieser Stelle um die berechnete Freihöhe über dem Hindernis liegen. Bei gleich hohen Masten an beiden Enden liegt die Sichtlinie überall auf Masthöhe; bei ungleichen Höhen interpolieren Sie linear zwischen beiden Antennen.
Berücksichtigen Sie das Wachstum von Bäumen und geplante Bauvorhaben. Eine Strecke, die im Winter funktioniert, kann im Sommer durch belaubte Baumkronen leiden, besonders bei Frequenzen im Gigahertzbereich, wo Blätter und Wasser stark dämpfen. Ein Sicherheitszuschlag von einigen Metern ist bei längeren Strecken üblich.
Höhere Frequenzen haben kleinere Fresnelzonen und kommen mit niedrigeren Masten aus. Dafür ist die Freiraumdämpfung höher und Regen dämpft stärker. Niedrige Frequenzen beugen sich besser um Hindernisse, brauchen aber mehr Freiraum für eine verlustarme Verbindung. Die Wahl der Frequenz ist daher immer ein Kompromiss.
Die Rechnung gilt für Hindernisse quer zur Strecke, etwa Hausdächer oder Bergrücken. Reflexionen an großen Flächen wie Wasser können zusätzlich Signaleinbrüche verursachen. Ob die Strecke überhaupt innerhalb des Horizonts liegt, zeigt der Funkhorizont-Rechner; die Wellenlänge zu einer Frequenz berechnet der Wellenlänge-Rechner.
Tipps und typische Fehler
Mast richtig planen.
- Hindernis: Höchstes suchen.
- 60 Prozent: Freihalten.
- Bäume: Wachstum einplanen.
- Reserve: Einige Meter.
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Häufige Fragen
Wie viel der Fresnelzone muss frei sein?
Als übliche Planungsregel mindestens 60 Prozent der ersten Fresnelzone.
Wo ist die Fresnelzone am größten?
In der Mitte der Strecke; zu den Antennen hin wird sie kleiner.
Warum brauchen niedrige Frequenzen mehr Platz?
Weil der Radius mit der Wurzel der Wellenlänge wächst.
Was passiert, wenn die Fresnelzone verdeckt ist?
Beugung und Reflexionen dämpfen das Signal, die Verbindung wird instabil.
Spielt die Erdkrümmung schon auf kurzen Strecken eine Rolle?
Ab einigen Kilometern ja, die Erdwölbung wächst mit dem Quadrat der Entfernung.
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