Schwere Wände dämmen besser
Eine einschalige Wand wird vom Luftschall zum Schwingen angeregt und strahlt auf der anderen Seite wieder Schall ab. Je schwerer die Wand ist, desto träger reagiert sie und desto weniger Schall kommt durch. Diesen Zusammenhang hat Lothar Berger Anfang des 20. Jahrhunderts als Massengesetz beschrieben. Maßgeblich ist die flächenbezogene Masse in Kilogramm je Quadratmeter Wand.
Nach dem Massengesetz steigt das Schalldämmmaß mit 20 mal dem Logarithmus aus Masse und Frequenz. Daraus folgt die bekannte Faustregel: Jede Verdopplung der Masse bringt rund 6 Dezibel mehr Dämmung, und hohe Töne werden um 6 Dezibel je Oktave besser gedämmt als tiefe. Bassgeräusche aus der Nachbarwohnung dringen deshalb leichter durch als Stimmen.
Für die Bauakustik zählt meist das bewertete Schalldämmmaß Rw, eine Einzahlangabe über den ganzen Frequenzbereich. Der Rechner schätzt es zusätzlich mit der Massekurve aus DIN 4109-32 für einschalige massive Wände.
Grenzen des Massengesetzes
Das Massengesetz beschreibt eine ideale, biegeweiche Platte. Reale Wände haben eine Biegesteifigkeit. Bei der Koinzidenzgrenzfrequenz stimmen Biegewelle in der Wand und Schallwelle in der Luft überein, und die Dämmung bricht deutlich ein. Bei dicken Massivwänden liegt diese Frequenz tief, bei leichten Platten aus Gips oder Glas oft mitten im hörbaren Bereich.
Auch Nebenwege bestimmen das Ergebnis am Bau. Schall gelangt über flankierende Decken und Wände, Steckdosen, Rohrdurchführungen und undichte Fugen in den Nachbarraum. Das am Bau gemessene Schalldämmmaß R′w liegt deshalb oft mehrere Dezibel unter dem Wert der Wand allein. Die Rw-Formel gilt außerdem nur für Massen von etwa 65 bis 720 kg/m²; der Rechner kennzeichnet Werte außerhalb.
Zweischalige Konstruktionen wie Haustrennwände mit Fuge oder Vorsatzschalen aus Gipskarton erreichen bei gleicher Masse deutlich höhere Werte, weil die Schalen voneinander entkoppelt sind. Für sie gilt das einfache Massengesetz nicht.
Zur Einordnung: DIN 4109-1 fordert für Wohnungstrennwände im Geschosswohnungsbau ein erforderliches R′w von mindestens 53 dB, für erhöhten Schallschutz werden höhere Werte vereinbart. Den Trittschall von Decken behandelt der Trittschalldämmung-Rechner, die Pegelabnahme im Freien der Schallpegel-Entfernung-Rechner. Für verbindliche Nachweise ist ein Fachplaner nötig.
Tipps und typische Fehler
Schallschutz planen.
- Masse: Entscheidet.
- Fugen: Dicht schließen.
- Nebenwege: Beachten.
- Vorsatzschale: Entkoppelt.
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Häufige Fragen
Wie viel bringt eine doppelt so schwere Wand?
Nach dem Massengesetz rund 6 dB mehr Schalldämmung.
Was ist der Unterschied zwischen R und Rw?
R gilt für eine Frequenz, Rw ist ein bewerteter Einzahlwert über den Bauakustikbereich.
Warum werden tiefe Töne schlechter gedämmt?
Weil die Dämmung mit der Frequenz steigt, etwa 6 dB je Oktave.
Welche Wand dämmt besser, Beton oder Ziegel?
Bei gleicher Dicke meist Beton, weil er schwerer ist.
Bringt dickerer Putz mehr Schallschutz?
Etwas, denn er erhöht die flächenbezogene Masse und dichtet Fugen ab.
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Rechtlicher Hinweis: Die Mengen und Werte sind Richtwerte für die Planung und keine Statik-, Brandschutz-, Elektro- oder Energieberatung. Tragende Bauteile sowie Elektro-, Gas- und Heizungsarbeiten gehören in die Hand von Fachplanern und zugelassenen Fachbetrieben. Herstellerangaben und geltende Vorschriften gehen vor.
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