Warum Modellgeschwindigkeiten täuschen
Eine Lok, die auf der Anlage flott wirkt, fährt umgerechnet oft weit schneller als ihr Vorbild je durfte. Das liegt daran, dass unser Auge die kurze Strecke und das kleine Fahrzeug nicht automatisch hochrechnet. Viele Digitalloks sind ab Werk so eingestellt, dass sie bei voller Fahrstufe zwei- bis dreimal schneller sind als das Original.
Für einen vorbildgerechten Betrieb messen Modellbahner deshalb die tatsächliche Geschwindigkeit. Dazu wird eine Strecke markiert, die Lok mit konstanter Fahrstufe durchfahren und die Zeit gestoppt. Teilt man die Strecke durch die Zeit, erhält man die Modellgeschwindigkeit. Mit der Maßstabszahl multipliziert ergibt sich das Tempo, das ein gleich langes Vorbild auf der entsprechend längeren Strecke hätte.
Der Rechner deckt die gängigen Baugrößen nach den Normen Europäischer Modellbahnen (NEM 010) ab, von Z mit 1:220 bis zu Gartenbahnen mit 1:22,5. Zusätzlich berechnet er die Sollzeit für ein Wunschtempo. Diese Zahl ist praktisch, wenn Sie die Höchstgeschwindigkeit einer Lok über die Decoder-Einstellung anpassen und nur noch mit der Stoppuhr nachmessen möchten.
So messen Sie genau
Wählen Sie eine gerade, ebene Messstrecke ohne Weichen und Steigungen. In Kurven und Steigungen sinkt die Geschwindigkeit, und der Wert ist nicht mehr mit den Herstellerangaben vergleichbar. Lassen Sie die Lok vor der Messmarke schon einige Zentimeter anfahren, damit sie beim Start der Zeitnahme ihr Tempo erreicht hat und nicht mehr beschleunigt.
Handgestoppte Zeiten haben eine Reaktionsungenauigkeit von etwa 0,2 Sekunden. Bei kurzen Strecken und schnellen Loks macht das schnell zehn Prozent aus. Messen Sie deshalb mindestens einen Meter, besser zwei, und bilden Sie den Mittelwert aus mehreren Durchgängen in beide Richtungen. Genauer arbeiten Lichtschranken oder Messwagen, die die Geschwindigkeit direkt anzeigen.
Bei der Baugröße 0 gibt es international unterschiedliche Maßstäbe: In Kontinentaleuropa ist 1:45 üblich, in Großbritannien 1:43,5 und in Nordamerika 1:48. Für Gartenbahnen auf 45 mm Spur werden je nach Vorbild 1:22,5, 1:29 oder 1:32 verwendet. Rechnen Sie in diesen Fällen mit dem Maßstab, der auf Ihrem Fahrzeug angegeben ist; die Auswahl im Rechner nutzt die NEM-Werte.
Mit dem Ergebnis lässt sich der Decoder gezielt einstellen. Bei vielen DCC-Decodern begrenzt die Konfigurationsvariable CV 5 die Höchstgeschwindigkeit. Senken Sie den Wert schrittweise und messen Sie erneut, bis die Sollzeit erreicht ist. Wenn mehrere Loks im Zugverband fahren sollen, gleichen Sie ihre Geschwindigkeiten auf diese Weise an, damit sie nicht gegeneinander schieben oder ziehen.
Tipps und typische Fehler
Tempo einmessen.
- Anlauf: Lok vorher beschleunigen lassen.
- Mittelwert: In beide Richtungen messen.
- Maßstab: Angabe am Fahrzeug prüfen.
- Decoder: Schrittweise anpassen.
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Häufige Fragen
Wie schnell darf eine H0-Lok fahren?
So schnell wie ihr Vorbild; eine Güterzuglok mit 80 km/h Höchsttempo sollte in H0 etwa 25,5 cm pro Sekunde erreichen.
Warum ist meine Lok umgerechnet so schnell?
Hersteller stellen Decoder oft mit Reserve ein; die Höchstgeschwindigkeit lässt sich über CV 5 begrenzen.
Welcher Maßstab gilt für Spur 0?
Nach NEM 1:45, in Großbritannien 1:43,5 und in Nordamerika 1:48.
Wie lang sollte die Messstrecke sein?
Mindestens ein Meter auf gerader, ebener Strecke; zwei Meter verringern den Stoppfehler weiter.
Kann ich mit dem Ergebnis den Decoder einstellen?
Ja, über die Höchstgeschwindigkeit, bei DCC meist CV 5, bis die Sollzeit erreicht wird.
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