Anschlusswerte und Schmutzwasserabfluss
Die Entwässerungsanlage eines Gebäudes wird nicht auf die Summe aller Abflüsse ausgelegt, denn es laufen nie alle Waschbecken, Duschen und Toiletten gleichzeitig. Die Norm DIN EN 12056-2 arbeitet deshalb mit Anschlusswerten, englisch Design Units (DU). Jeder Anschlusswert entspricht dem mittleren Abfluss eines Sanitärobjekts in Litern pro Sekunde, in Deutschland nach System I mit teilgefüllten Einzelfallleitungen.
Aus der Summe der Anschlusswerte ergibt sich der Schmutzwasserabfluss über eine Wurzelfunktion. Je mehr Objekte angeschlossen sind, desto unwahrscheinlicher werden gleichzeitige Spitzen. Die Abflusskennzahl K beschreibt, wie häufig die Objekte benutzt werden: In Wohnungen und Büros beträgt sie 0,5, in Schulen, Hotels und Krankenhäusern 0,7, in öffentlichen Toiletten 1,0 und in Laboren 1,2. Die deutsche Ergänzungsnorm DIN 1986-100 übernimmt diese Werte.
Ist das Ergebnis kleiner als der größte einzelne Anschlusswert, gilt dieser. Ein WC mit 2,0 l/s bestimmt also die Bemessung, solange wenige Objekte angeschlossen sind. Dauerabflüsse, etwa aus Kühlanlagen, und der Förderstrom von Hebeanlagen werden zum Schmutzwasserabfluss addiert.
Q_ww = K × √ΣDU (mindestens größter DU); Q_tot = Q_ww + Q_c + Q_p; Abflussvermögen nach Prandtl-Colebrook mit k_b = 1,0 mm
Nennweite der Sammelleitung
Liegende Sammel- und Grundleitungen werden als teilgefüllte Rohre bemessen. Innerhalb von Gebäuden darf Schmutzwasser nach DIN 1986-100 das Rohr höchstens zur Hälfte füllen, damit Luft mitströmen kann; außerhalb ist ein Füllungsgrad von 0,7 zulässig. Der Rechner berechnet das Abflussvermögen nach der Formel von Prandtl-Colebrook mit einer betrieblichen Rauheit von 1,0 mm und typischen Innendurchmessern von Kunststoffrohren.
Leitungen, an die ein WC angeschlossen ist, müssen mindestens DN 100 haben; der Rechner beginnt in diesem Fall bei DN 100. Ohne WC prüft er auch DN 70. Größere Gefälle steigern das Abflussvermögen, zu starkes Gefälle führt aber dazu, dass Wasser den Feststoffen davonläuft. Übliche Werte liegen zwischen 0,5 und 2 cm je Meter.
Fallleitungen, Anschlussleitungen und die Lüftung der Anlage werden nach eigenen Tabellen der Norm bemessen, die von der Art der Abzweige und der Lüftung abhängen. Regenwasser wird getrennt berechnet und erst in Mischsystemen außerhalb des Gebäudes zusammengeführt. Für Regenwasser hilft der Regenabfluss-Rechner.
Das Ergebnis ist ein Richtwert für die Vorplanung und die Kontrolle bestehender Leitungen. Für einen Bauantrag oder Entwässerungsantrag erstellt eine Fachplanerin oder ein Fachplaner die Berechnung nach den aktuellen Normen und den Vorgaben der Gemeinde.
Tipps und typische Fehler
Leitung bemessen.
- Gefälle: Durchgehend.
- WC: Mindestens DN 100.
- Lüftung: Nicht vergessen.
- Planung: Fachplaner fragen.
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Häufige Fragen
Was bedeutet DU bei Sanitärobjekten?
Design Unit, der Anschlusswert in l/s nach DIN EN 12056-2, z. B. 2,0 für ein WC und 0,5 für einen Waschtisch.
Welche Abflusskennzahl gilt für Wohnhäuser?
Für Wohnungen und Büros K = 0,5.
Welche Nennweite braucht eine Leitung mit WC?
Mindestens DN 100, auch wenn der berechnete Abfluss kleiner ist.
Was ist das System I nach DIN EN 12056?
Ein System mit teilgefüllten Einzelfallleitungen, das in Deutschland üblich ist.
Wird Regenwasser mitgerechnet?
Nein, Regenwasser wird getrennt nach DIN 1986-100 bemessen.
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- Abflusskennzahl K
Rechtlicher Hinweis: Die Mengen und Werte sind Richtwerte für die Planung und keine Statik-, Brandschutz-, Elektro- oder Energieberatung. Tragende Bauteile sowie Elektro-, Gas- und Heizungsarbeiten gehören in die Hand von Fachplanern und zugelassenen Fachbetrieben. Herstellerangaben und geltende Vorschriften gehen vor.
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